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Federal Reserve - «Zinssenkung ist eine Reaktion auf Trumps schädliche Handelspolitik»

Die Fed senkt den Leitzins erstmals seit der Finanzkrise 2008. War dieser Schritt wirklich nötig? Das sind die Meinungen der Ökonomen zum Zinsentscheid.

Federal Reserve - «Zinssenkung ist eine Reaktion auf Trumps schädliche Handelspolitik»

Die Fed senkt den Leitzins erstmals seit der Finanzkrise 2008. War dieser Schritt wirklich nötig? Das sind die Meinungen der Ökonomen zum Zinsentscheid. 01.08.2019 06:45 US-Präsident Donald Trump zettelte nicht nur gegen China einen Handelskrieg an. US-Präsident Donald Trump zettelte nicht nur gegen China einen Handelskrieg an. Bild: Bloomberg

Der Leitzins in den USA sinkt erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Die Notenbank Fed kappte ihn am Mittwoch um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent. Die Währungshüter reagieren damit auf den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikt, der zusehends auf die globale Konjunktur und auch die heimische Wirtschaft durchschlägt.

Trump setzt die politisch unabhängige Fed seit langem unter Druck, die Zügel zu lockern - zuletzt kurz vor der Fed-Sitzung mit der Forderung nach einer massiven Senkung. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell, der sich bei der Geldpolitik nicht von der Politik hineinreden lassen will, blieben mit ihrem Schritt nun hinter dieser Forderung zurück. Sie halten jedoch die Tür für eine weitere Lockerung offen. Denn sie erklärten, "angemessen handeln zu wollen", um das Wachstum zu stützen.

Politische Einflussnahme seitens Trumps? 

Händler gehen davon aus, dass die Fed mit grosser Wahrscheinlichkeit im September mit den Zinsen weiter nach unten gehen wird. Der jüngste Beschluss fiel jedoch nicht einstimmig. Der Präsident des Fed-Bezirks Boston, Eric Rosengren, und seine Kollegin aus Kansas City, Esther George, plädierten dafür, das Zinsniveau beizubehalten.

"Die Entscheidung von Fed-Chef Powell und seinen Kollegen ist keine Reaktion auf Trumps verbale Interventionen, sondern auf seine folgenschwere und für die USA hochgradig schädliche Handelspolitik", sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Institut ZEW. Und: "Dass die Fed jetzt handelt, ist somit überhaupt kein Beleg für politische Einflussnahme."

Mit dem niedrigeren Leitzins verstärkt die Fed einen globalen Trend hin zu einer lockereren Geldpolitik: Asiatische Notenbanken von Indien bis Südkorea haben bereits vorgelegt, die EZB in Frankfurt könnte schon bald folgen. Die Währungshüter reagieren damit auf verstärkte konjunkturelle Risiken.

Trump wollte mehr

Die amerikanische Konjunktur musste zuletzt Federn lassen. Im Frühjahr fiel der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,1 Prozent um einen vollen Prozentpunkt niedriger aus als zu Jahresbeginn: Insbesondere eine Exportflaute im Sog des Handelskonflikts drückte das Wachstum.

"Sicher ist, dass die heutige Entscheidung den amerikanischen Präsidenten nicht zufriedenstellen wird. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Donald Trump den politischen Druck auf die Fed und ihren Präsidenten aufrechterhalten und eine weitere Zinssenkungen fordern wird", meint Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.

Die US-Aktienmärkte reagierten kaum auf den Zinsentscheid. Eine Senkung um einen Viertelpunkt galt an der Wall Street als ausgemachte Sache. 

(Reuters)